Wettbewerb BSSOG Bundesschulstandort Hartberg,  2.Platz

Hartberg, 2022

Ein Umbau ist interessanter als ein Neubau – weil im Grund alles Umbau ist

(Hermann Czech 1973)

 

 

Das Bestandsgebäude mit seiner physischen Präsenz im Stadtraum, sein Verhältnis zu biographischen Ereignissen und ein damit verbundenes kontinuierliches Fortschreiben seiner Beschaffenheit prägen den Ausdruck dieser Schule, insbesondere als Repräsentant seiner Zeit, wesentlich.

Die architektonische Regelhaftigkeit des aus den siebziger Jahren stammenden Gebäude erlaubt ein „Weiterbauen“. Mit der architektonischen Substanz respektvoll und ökonomisch, unter Berücksichtigung der baulich vorhandenen Strukturen umzugehen, war Ziel der Gestaltung.

Das Gebäude, als Bildungsbau nimmt eine besondere Rolle hinsichtlich Bedeutung im städtischen und gesellschaftlichen Gefüge ein. Ziel des Entwurfes ist es, nicht nur eine den Nutzungserfordernissen entsprechendes Gebäude, sondern einen Ort zu schaffen, der sich für Zirkulation und Manipulation von jungen Menschen eignet.

Die physische Präsenz und Bedeutung des Schulgebäudes wird erhöht, indem eine Erweiterung im zweiten Obergeschoss erfolgt. Die Adressbildung wird durch die Addition eines prägnanten Vordaches gestärkt. Eine neue Einheit entsteht. Das „Neue“ ordnet sich ein, aber keinesfalls unter. Die neuen Bauteile, als Zeitgenossen gehen mit dem Bestand eine synthetische Verbindung ein.

 

Auflösung der ausschließlich horizontalen Schichtung der Geschosse – ein neues Atrium entsteht

Als eine der wichtigsten architektonischen Maßnahmen erfolgt die Transposition der von einem drückenden Raumgefühl geprägten Halle, zu einem offenen und lichtdurchflutenden Atrium, das alle Geschosse verbindet. Ein verbindendes und nicht separierendes, räumliches Angebot zu schaffen, um die Schulgemeinschaft zu fördern ist Ziel dieser architektonischen Maßnahme.

 

Organisation – Schule als Lern- und Lebensraum

Der nach dem Eintritt in das Schulgebäude vorgefundene Raum ist sowohl Foyer, als auch Aula und Pausenraum, kann aber auch als Theaterbühne dienen. Kurz, er ist das Herzstück des Gebäudes – ein lebhafter Multifunktions- und Kommunikationsraum.

Durch das Entfernen einer Raumschicht im Süden, schließt nun die neue Aula unmittelbar an den sehr attraktiven grünen Innenhof an.

Vom Erdgeschoss führt eine breite Treppenanlage ins Obergschoss, deren wesentliche Leistung darin besteht, dass sie Treffpunkt und Verweilzone ist, Platz zum „Abhängen“ bietet und bei Schulveranstaltungen zum Auditorium wird.

In der Raumfolge schließt die Bibliothek im Erdgeschoss an, die um ihren „harten Kern“ genügend „weiche Ränder“ zum Lesen und Schmökern bietet. Aussichten in den grünen Innenhof aber auch in den nordöstlichen Park sind möglich.

 

Erschließung der Schultypen separat, keine Kreuzung der Wege

Die unterschiedlichen Schultypen sind kompakt organisiert und es können alle über die bereits bestehenden Stiegenhäuser separat erschlossen werden, so kommt es zu keiner Kreuzung der Wege.

Die interne Organisation des Gymnasiums erfolgt so, dass sich Ober- und Unterstufe jeweils auf einem Geschoss befinden.

Die Bafeb wird so organisiert, dass sich die Schülerinnen und Schüler nicht mehr mit den Kindern und Eltern des Kindergartens kreuzen, alle Zugänge zu den Klassen erfolgen außerhalb der Erschließungsachse des Kindergartens.

 

Gemeinschaft braucht Raum

Ausreichend Raum für in etwa 1.700 Schüler außerhalb des räumlich definierten Klassenzimmers zu generieren, war ebenfalls Ziel des Entwurfes, den weniger soziale Dichte bedeutet auch weniger Aggression, so finden sich in allen Geschossen offene Räume für die Gemeinschaft.

 

Cluster mit Dorfplatz/ Lernlandschaft

Unabhängig vom Schultyp sind alle Klassen in Clustern organisiert. Sie gruppieren sich um eine Lernlandschaft bzw. um einen Dorfplatz. Dieser orientiert sich in der Regel zum Innenhof und bietet ausreichend Platz und Licht für die Schülerinnen und Schüler.

Pädagogische Konzepte ändern sich, der Raum bleibt. So wurde mit den großzügigen Lernlandschaften gemeinschaftlicher Raum geschaffen, der aneignungsoffen ist und auch unterschiedlichen Lern- und Lehrszenarien zulässt. Er dient auch als Chilloutzone für die Schülerinnen und Schüler, damit die Schule nicht nur als Lern- sondern auch als Lebensraum wahrgenommen wird.

 

Materialien und Oberflächen – verbindlich

Zu Räumen, die alle Sinne ansprechen, stellt sich sofort eine Verbindung her.

Nachhaltiges Holz mit seinen haptischen Eigenschaften sorgen für ein angenehmes Empfinden und Garantieren gleichzeitig die nötige Robustheit.

Es wird nur auf einige wenige Materialien gesetzt. Natürliche Oberflächen mit ihren spezifischen Eigenschaften stehen im Vordergrund. Für ein buntes Treiben sorgen die Schülerinnen und Schüler selbst.

Intensiv begrünte Höfe, sorgen an heißen Tagen für ein angenehmes Mikroklima und kompensieren versiegelte Flächen.