Der Pfarrhof

Lebing, 2019 - 2022

Das denkmalgeschützte Objekt ist Beherbergungsstätte und bietet Seminar und Veranstaltungsräume.
Die Katholische Kirche bot den 1775 errichteten Pfarrhof zum Verkauf an. Interessent:innen hatten sich mit einem Nachnutzungskonzept zu bewerben. Das Interesse war aufgrund der Denkmalschutzauflagen begrenzt. Der Zuschlag ging an einen Zimmermann (Fam. Beer) aus der Nachbarschaft, dessen Nutzungsvorschlag sich von denen der Mitbewerber:innen deutlich unterschied. Während alle Bewerber:innen Wohnbaukonzepte andachten, schlug die Firma Beer eine Nachnutzung als Beherbergungs- und Veranstaltungsstätte vor, damit der Pfarrhof auch weiterhin ein Ort der Zusammenkunft und des öffentlichen Lebens bleibt.

Das für die Nutzung Selbstverständliche und Notwendige waren gestaltungsrelevant und im Zentrum stand die Fortschreibung des Vorgefundenen. Im gegenständlichen Entwurfsprozess fehlte jedes Streben nach formalem Kontrast, nach der Lesbarkeit zwischen Alt und Neu, oder nach Aufmerksamkeit. Im Mittelpunkt standen Authentizität und die narrativen Qualitäten des Bestandes. Der Entwurf versteht sich als integrale Betrachtung, als ein Abarbeiten des Konkreten. Die Nutzungsanpassung weist eine strukturelle Gemeinsamkeit mit dem Bestand auf. Überformungen, sofern sie substanzschwächend waren, wurden bereinigt, andere blieben wiederum bestehen. Schließlich wurde schon immer weitergebaut. Spuren des Alterns oder der Vergänglichkeit blieben insofern lesbar, als beispielsweise fragmentarisch erhaltene Stuckaturen nicht ergänzt wurden.

Das Projekt verfolgt nicht das Spezielle oder Außergewöhnliche, vielleicht ist das eine Eigenheit. Alle Maßnahmen ordnen sich ein, aber nicht unter. Es geht um die Fortschreibung und nicht die Neuerfindung eines räumlichen Konstruktes und eine gegenwärtige Nutzung, die der vergangenen gerecht wird.

Fotos © David Schreyer © Anna Beer

© epps architekten